Es gibt sicher Sinnvolleres, als noch einen Text über Bitcoins zu schreiben, aber gestern ist mein Handy auf den Fliesenboden gekracht und das Display sieht jetzt aus wie die Werbung für ein Splatter-Movie. Immer wenn ich jetzt telefonieren muss, habe ich danach kleine fiese Glaskrümmel auf den Fingerkuppen. Und wenn ich irgendwelche blöden Tweets wegwischen will oder nur meine Kontaktliste herunterscrollen möchte, mach ich mir dabei fast in die Hosen.
Ich habe mich deshalb zum Kauf eines neuen mobilen Endgeräts entschieden und zur fachkundigen Entsorgung des Altgerätes. Es gibt da nur ein Problem – und jetzt kommen wir zum Thema dieser kleinen Serie: Auf meinem alten Handy schlummert noch ein Zehntel Bitcoin, oder in der offiziellen Schreibweise: 0,1 BTC. Das hätte mich vor einem Jahr, na ja, nicht so richtig gewurmt. Aber im Moment wären das (Stand 3.12.2013) rund 80 Euro, die ich so mit in den Recycling-Müll stecken würde. Möglicherweise schmeiße ich sogar die Chance auf eine kleines Vermögen weg. Ich wäre da ja nicht der erste.

Also habe ich mich entschieden, mein Handy so lange zu nutzen, bis mein Bitcoin-Vermögen auf ein Medium mit höherer Lebenserwartung übertragen ist. Das kann aber aus verschiedenen Gründen noch etwas dauern. (Für die Insider: Ich habe meinen Bitcoin-Client gefühlt nicht mehr seit dem 1. Punischen Krieg mit dem Bitcoin-Netzwerk synchronisiert. Was dazu führt, dasss mein altes Handy voraussichtlich noch ein paar Stunden/Tage (/Wochen?) in Betrieb bleiben muss. Solange bis ich sicher bin, dass kein Krümel Bitcoin mehr auf dem Altgerät ist.)

Während also mein Handyschrott vor mir auf dem Schreibtisch mühsam die Bitcoin-Transaktionsgeschichte der vergangenen Monate verinnerlicht („Synchronisation blockiert, hinkt 25 Wochen hinterher“), nutze ich die Zeit für ein paar grundsätzlichere Überlegungen. Solange bis ich die Kohle eben gerettet habe.

Beim Thema Bitcoins bin ich bisher auf folgende Meinungen gestoßen:

  1. „Bittkeuns – hä?“ (immer noch die Mehrheitsmeinung)
  2. „Geil!“ (Vertreter dieser Haltung sind meist männlich, zwischen 20 und 30, und sprechen als zweite Fremdsprache meist Java oder C++)
  3. „Geil! Endlich Freiheit von der Knechtschaft durch Zentralbanken und Finanzmafia und Inflationspolitikern!“ (Vertreter dieser Haltung sind meist männlich, zwischen 30 und 50, und sprechen als zweite Fremdsprache meist ein stark von der (neueren) österreichischen Ökonomen-Schule beeinflusstes Idiom)
  4. „Ist das nicht irgendwie gefährlich?!“ (Vertreter dieser Haltung schauen auch Fernsehtalkshows an und haben noch eine Tageszeitung abonniert, wählen irgendwas zwischen Schwarzrotgrün und kaufen sowohl bei Lidl als auch auf dem Biomarkt)
  5. „Das ist gefährlich, wir müssen das beobachten.“ (Vertreter dieser Position arbeiten sehr wahrscheinlich beim Bundeskriminalamt oder beim Verbraucherschutz)
  6. „Kinderkram / Freakwährung / Schwachsinn.“ (inzwischen Minderheitsmeinung)
  7. „Früher Tulpen, heute eben dieses Zeug. Nichts als Blasen, Blasen, Blasen“ (sehr wahrscheinlich W3-Professor kurz vor der Emeritierung)
  8. „The small bull case scenario is a $400 billion market cap.“ (Cameron und Tyler Winklevoss, Bitcoin-Großinvestoren)

Und der Vollständigkeit wegen und weil es wahrscheinlich die Denke vieler Ich-spiel-mal-ein-bisschen-Bitcoin-Spekulanten trifft, hier noch – 9. – meine eigene Haltung vom 16.11.2012: „Ich horte lieber meine wenigen Bitcoins – mehr als Wettschein auf ein Experiment mit ungewissem Ausgang denn als Hedge gegen den monetären Weltuntergang. Das Zeug auf meinem Handy wird wahrscheinlich schlicht noch wertvoller.“ (FTD vom 16.11.2012)

Das Zeug ist tatsächlich wertvoller geworden. Und das ist noch eine Untertreibung:

Jetzt könnte ich mich ja freuen, dass ich damals ein glückliches Händchen beim Wetten hatte. Tu‘ ich auch. Aber dann hört es schon auf mit der Freude. Denn Bitcoins und ihre zahlreichen Nachahmer-Währungen machen unsere Welt nicht besser: Sie sind nicht das, was sie versprechen. Sie sind eine Lösung für ein Problem, das es nicht gibt oder das zumindest nicht unser wichtigstes ist („Hyperinflation“ zum Beispiel). Und sie bringen Probleme, die der Lösung unserer eigentlichen Probleme irgendwann gewaltig im Weg stehen könnten. Mehr dazu in Teil 2