Ich hab mich ja kürzlich an anderer Stelle über das Tourismus-Wunder in Griechenland ausgelassen, besser gesagt über den „historischen Leistungsbilanzüberschuss der Griechen“. Was mich aber immer noch umtreibt bei dieser Sache, ist, wie wir uns hier in Deutschland die Wirklichkeit zurechtbiegen:

tagesschau.de: „Vor allem dank des florierenden Tourismus lag dieser 2013 bei 1,24 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.“

sueddeutsche.de: „Griechische Exporte übersteigen erstmals seit 1948 Importe.“ [FALSCH!!]

welt.de: „Tourismus rettet Griechen die Leistungsbilanz.“

Handelsblatt: „Geholfen hat auch, dass die Geldgeber auf die Hälfte ihrer Zinszahlungen verzichtete.“

und so weiter…

Wann gestehen wir uns eigentlich ein, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Wie wäre es zur Abwechslung mit dieser Schlagzeile: „Florierende Kinderarmut, Massenarbeitslosigkeit, Selbstmorde und mangelhafte Gesundheitsversorgung retten Griechen die Leistungsbilanz“ (Stimmt zwar auch nicht, aber näher dran an der Realität einer verarmenden Bevölkerung wäre so eine Zeile schon…)

Nachtrag: Natürlich kommt der Spin vom Tourismus-Wunder auch von griechischer Seite. Aber sollen griechische Regierungsvertreter/Zentralbanker bei einer Erfolgsmeldung wie der vom „historischen Leistungsbilanzüberschuss“ extra betonen, wer wirklich die Zeche dafür bezahlt hat?