Axel Reimann

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Schade, schade, Monsieur Piketty

Foto: Sue Gardner [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Foto: Sue Gardner [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Erste, unfertige Überlegungen zum „Capital in the Twenty-First Century“: Hab mal was aufgeschrieben über die Konsequenzen aus dem Piketty-Buch und zwar hier und hier. Was ich da aber erst mal nicht erwähnt habe – weil ich den Gesamteindruck nicht durch „Esoterik“ stören wollte – ist dies: Nach meiner oberflächlichen Meinung liegt Piketty bei der Einschätzung der Kapitalkontroverse der 60er Jahre daneben. (Genauso  wie Krugman.) Leider.

Vor ein paar Jahren raunte mir mal ein junger indischer Assistenzprofessor zu, dass diese zu unrecht vergessene Kapitalkontroverse noch ein Game Changer werden könnte. Inzwischen glaube ich, dass er recht hatte. Leider wird die Kapitalkontroverse nicht durch Pikettys Buch zum Game Changer. Piketty wischt nämlich diese wichtige Debatte einfach auf drei Seiten weg, schlimmer noch: Er stellt sie sehr – sagen wir es vorsichtig – „eigenwillig“ vor, so dass der Leser den Eindruck behält, dass Ganze sei nur wieder eine längst überholte Debatte von ein paar Wirrköpfen gewesen. Das stimmt aber nicht – das kann jeder ahnen, der nur mal kurz darüber nachdenkt, was eigentlich „Kapital“ ist. Es ist schade, dass Piketty von seinem eindrucksvollen Datenberg herabschaut auf die Teilnehmer der Kapitaldebatte der 60er Jahre, denen angeblich „the historical data needed to clarify the terms of the debate“ fehlten. Es ist schade, weil – so mein erster Eindruck beim Lesen – genau jener theoretischer Unterbau für „Le Capital“ fehlt, der diesen dramatischen Buchtitel gerechtfertigt hätte.

(Ich werde demnächst mal hier weiter ausholen, muss mich aber erst noch mehr sortieren. Sonst babbel ich hier vielleicht noch mehr Käs…)

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Eine Initiative, die keine ist

Der Papst ist ja, wie wir inzwischen wissen, ein erfrischender Radikalinski in Sachen Wirtschaftssystem-Kritik.  Weshalb ich einigermaßen gespannt war, was rauskommt, wenn sich in Deutschland die katholischen Bischöfe mit der evangelischen Konkurrenz zum Wirtschaftsgesummse äußern. Das Ganze nennt sich Ökumenische Sozialinitiative und soll „eine eine breite Diskussion über unsere Wirtschafts- und Sozialordnung“ anstoßen – hier mein erster Eindruck.

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Wasser in den Retsina

Ich hab mich ja kürzlich an anderer Stelle über das Tourismus-Wunder in Griechenland ausgelassen, besser gesagt über den „historischen Leistungsbilanzüberschuss der Griechen“. Was mich aber immer noch umtreibt bei dieser Sache, ist, wie wir uns hier in Deutschland die Wirklichkeit zurechtbiegen:

tagesschau.de: „Vor allem dank des florierenden Tourismus lag dieser 2013 bei 1,24 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.“

sueddeutsche.de: „Griechische Exporte übersteigen erstmals seit 1948 Importe.“ [FALSCH!!]

welt.de: „Tourismus rettet Griechen die Leistungsbilanz.“

Handelsblatt: „Geholfen hat auch, dass die Geldgeber auf die Hälfte ihrer Zinszahlungen verzichtete.“

und so weiter…

Wann gestehen wir uns eigentlich ein, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Wie wäre es zur Abwechslung mit dieser Schlagzeile: „Florierende Kinderarmut, Massenarbeitslosigkeit, Selbstmorde und mangelhafte Gesundheitsversorgung retten Griechen die Leistungsbilanz“ (Stimmt zwar auch nicht, aber näher dran an der Realität einer verarmenden Bevölkerung wäre so eine Zeile schon…)

Nachtrag: Natürlich kommt der Spin vom Tourismus-Wunder auch von griechischer Seite. Aber sollen griechische Regierungsvertreter/Zentralbanker bei einer Erfolgsmeldung wie der vom „historischen Leistungsbilanzüberschuss“ extra betonen, wer wirklich die Zeche dafür bezahlt hat?

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You’ve just learned this?!

Der alte Zauberer Alan Greenspan stellt in der Daily Show sein neues Buch vor. In a nutshell: Das mit den effizienten Märkten und den rationalen Akteuren und der Risikoneigung der Banken passt irgendwie nicht zusammen. Ach.

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Was schert uns die Wirklichkeit?

Wenn einem das Haus fast zusammenbricht, weil der Architekt das mit der Baustatik einfach nicht wahrhaben will, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. der Architekt kriegt keine Aufträge mehr
oder
2. der Architekt nimmt zur Kenntnis, dass die Welt anders funktioniert als er sich das vorgestellt hat.

Wahrscheinlich geschieht sogar beides. Bei Ökonomen ist das anders, wie ein ernüchternder Bericht im Guardian treffend resümiert. Da kann das Haus zusammenbrechen, da können Finanzkrisen heilige Axiome über den Haufen werfen – für die neoklassischen Vertreter der Ökonomenzunft ändert das nichts. (Und für die auf ihren Rat hörenden Regierungen auch nicht).

Why? In a word: denial. The high priests of economics refuse to recognise the world has changed. (Quelle: „Mainstream economics is in denial“ von Aditya Chakrabortty, The Guardian, 29. Oktober 2013)

Das ist jetzt aber nur für denjenigen verwunderlich, der die Rolle der Wirtschaftsexperten mit der von Architekten oder Baustatikern verwechselt. Die Ökonomen haben aber eine ganz andere Funktion.

How do elites remain in charge? If the tale of the economists is any guide, by clearing out the opposition and then blocking their ears to reality. The result is the one we’re all paying for.

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